Leseproben Samhain 2005 (Ausgabe 18)
- Auszüge aus den Artikeln -


Welche Funktionen haben Rituale bei Tod und Trauer?

Rituale schaffen eine innere Ordnung, sie können einem seelischen und spirituellen Erlebnis eine stützende Struktur geben. Sie können Erfahrungen schaffen, eine emotionale und spirituelle Sicherheit geben, sie können helfen, mit Gefühlen anders umzugehen. Sie können helfen, daß du wieder mit dir in Kontakt kommst, dich selbst wieder klarer spürst. Rituale können eine heilsame Wirkung haben, sie können Sprachlosigkeit überwinden. Indem Rituale mit Symbolen und Bildern arbeiten, sprechen sie eine andere Ebene in uns an als bloße Worte. Rituale können dich den Kräften der Natur näher bringen, so daß du bewußt Kontakt zum Kreislauf der Natur oder der Gestirne aufnimmst und dich davon stärken und anregen läßt. Gerade im Zusammenhang mit Tod und Trauer, heute oft verdrängte Tabuthemen im Leben der Gemeinschaft, sind Rituale besonders wichtig. Ich will im Folgenden auf diese möglichen Wirkungen und Funktionen von Ritualen näher eingehen...



Bestattungskultur in Nord- und Mitteleuropa

... Während der Beisetzung wurde der Tote geehrt, jeder, der es wollte, durfte sein Wort dazu erheben und somit für die anwesende Trauergesellschaft ein umfassenderes Bild vom Toten zeichnen. Die Worte wählten die Redner immer positiv. (Alles kann positiv ausgedrückt werden.) Heute spricht meist ein Redner oder Pastor, der den Toten oft nicht einmal kannte und der nur das wiedergibt, was er von den nächsten Angehörigen gesagt bekam. Die Trauerfeier selbst begann für die Verwandten bereits im Trauerhaus. Es folgte die gemeinsame Fahrt mit dem Leichnam vorweg zur Kirche, Leichenhalle oder zum Friedhof, wo Familienangehörige den Toten zum Beisetzungsplatz trugen. Heute trifft man sich an der Feierhalle und geht oft genug nach der Laudatio gleich wieder auseinander. Ehemals traf man sich gemeinsam zu Speise und Trank, bekannt als sogenanntes „Fellversaufen“ oder Leichenschmaus. Der Ursprung des gemeinsamen Mahles mit Alkohol liegt allerdings in der Erinnerung an den ewigen Kreislauf des Lebens und an das Samenkorn, das in die Erde gelegt wird und sterben muß, um neues Leben hervorzubringen....



Was kommt danach?

Dunkel, stürmisch, kalt und bedrohlich – kein Wunder, daß die Kulturen dort, wo sich der November so zeigt, diesen Monat mit dem Tod in Verbindung bringen. Die Natur erinnert uns an unsere eigene Vergänglichkeit, an das Sterben, das sich um uns herum nun so deutlich zeigt. Und seit Menschengedenken gab es Rituale, die einerseits die Verstorbenen ehren, andererseits den Hinterbliebenen Trost spenden sollten, die – wenn wir an die ägyptischen Pyramiden und keltische Hügelgräber denken – durchaus pompös, in anderen Fällen, wie einer kürzlich entdeckten, circa 5000 Jahre alten Leiche einer jungen Frau, anrührend liebevoll zeigen, was der Tod bedeuten konnte...



Ahninnentopf

Dieser Übergangsort kann entsprechend schön gestaltet werden: Als Grundlage kommt Erde hinein. Woher die kommt, muß jede selbst sehen. Das kann Erde von einer schönen Urlaubsreise sein, von besonderen Orten, die dir Kraft schenken oder die aus anderen Gründen für dich wichtig sind. Eine Freundin hat nach und nach Erde von den Orten gesammelt, wo sie gewohnt hat. Dann kann je nach Geschmack weiteres folgen, wie z.B. Schmuck, Federn, Edelsteine, Blüten, Stoffreste usw. Der Boden sollte bedeckt sein von Dingen, die besondere Bedeutung für dich haben, die dir wichtig sind. Ahninnentopf*, was ist das denn? – Was steckt dahinter? Warum gibt es sowas? Der Ahninnentopf soll dazu dienen, die Ahnen bzw. Ahninnen zu ehren, Kontakt zu ihnen herzustellen und sie um Rat zu fragen. Ein Ahninnentopf ist eine Schleuse, ein Verbindungspunkt oder auch ein Briefkasten zur Welt der eigenen Ahnen ...



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u.v.m.